2022,  Slowakei

Wanderparkplatz bei Podlesok – Levoča – Spišský Hrad – Spišská Kapitula – Hodkovsky Park – See bei Dedinky

Strecke: 103 km

Übernachtung: See bei Dedinky

Egal ob Sommer oder Winter: Eine große Menge nasser Kleidung ist auf unseren Reisen so ziemlich das Unangenehmste, das wir uns vorstellen können. Im Wohnmobil ist einfach kein Platz zum Aufhängen und es es gibt auch keine wirklich gute Möglichkeit zum Wäschetrocknen in unserem Kastenwagen. Ein Teil der nassen Ausrüstung verbringt die Nacht vor der Tür, unter dem provisorischen Vordach. Die Schuhe stopfen wir mit Zeitungspapier aus (wie immer, haben wir nicht genug davon dabei), entfernen die Sohlen und legen sie vor die Auslässe der Heizung. Für T-Shirts, Unterwäsche und Hosen haben wir uns zwei extra breite Bügel zum Trocknen gebastelt. Die befestigen wir unter dem Tisch, vor einem weiteren Heizungsauslass. Der Rest muss wohl oder übel ins Bad. Damit sich überhaupt etwas tut, stellen wir die Heizung auf 23°C und drücken die Daumen.

Nach dem Aufstehen sieht die Lage tatsächlich etwas besser aus. Der Himmel ist weiterhin grau und bewölkt. Es regnet aber nicht und ist wärmer. Der Parkplatz ist komplett leer. Außer uns und dem Kassierer in seinem Häuschen ist niemand hier. Einige der Kleidungsstücke sind bereits trocken. Dem leichten Kunststoff sei Dank, auch die Terrex Wanderschuhe. Hierbleiben macht keinen Sinn. Die Klammen und Schluchten sind viel zu nass und rutschig zum Wandern, außerdem soll es gegen Mittag wieder gewittern. Also muss ein Alternativprogramm her. Wir entscheiden uns heute für einen UNESCO Weltkulturerbe Tag. Na ja, eigentlich wollen wir ein paar Sehenswürdigkeiten weiter östlich im Land besuchen – wie sich herausstellt sind alle drei UNESCO Weltkulturerbe.

Wir verteilen die restliche nasse Kleidung im Auto (Socken kann man prima über den Heizungsauslässen am Armaturenbrett trocknen, der T-Shirts und Hosen passen gut über die Lehnen unserer Sitze und der Rest kommt wieder ins Bad), zahlen den Parkplatz für den heutigen Tag, bringen unseren Müll weg und bedanken uns bei Verlassen des Parkplatzes beim Parkwächter.

Durch kleine Dörfchen steuern wir auf der Landstraße die Spišský Hrad (Slowakisch) bzw. Zipser Burg (Deutsch) an. Unterwegs kommen wir durch Orte, deren Bevölkerung zu einem Großteil aus Roma zu bestehen scheint. Vor den Orten sehen wir immer wieder große, ärmliche Barackensiedlungen, in denen die Roma leben müssen. Es ist eine Tragödie. Mitten im reichen Europa gibt es eine Volksgruppe, um die sich kaum jemand kümmert.

Der erste größere Ort auf unserer Tour gen Osten ist Levoča. Gleich hinter dem Ortsschild beginnt die mächtige Stadtmauer. Auf einem Parkplatz neben der Mauer stellen wir das Wohnmobil ab. Schranken sind bereits vorhanden, diese sind aber geöffnet und einen Automaten zum Bezahlen suchen wir vergebens. Also parken wir heute kostenlos. Durch eines der großen Stadttore betreten wir den Ort, dessen alter Ortskern als UNESCO Weltkulturerbe eingetragen ist. Wir schlendern die Straßen entlang, kaufen an einem kleinen Stand Pfirsiche und eine Gurke, bestaunen das Rathaus, die hübsch renovierten Fassaden und eine der Kirchen. In einer Eisdiele gönnen wir uns eine Kugel Schokolade und Pistazie. Auch einen Abstecher zur Stadtmauer, in einen Laden mit niedlichen, handgemachten Unikaten und in eine kleine Bäckerei stehen auf dem Programm. Als wir gerade zum Auto zurückgehen, fängt Maras Bauch an zu Grummeln. Auch nach einem Besuch der örtlichen Toilette wird es nicht besser.

Levoča lädt zum Schlendern ein
Der alte Stadtkern ist hübsch renoviert
Rathaus von Levoča
Eine alte / neue Apotheke in Levoča

Wir fahren weiter, als plötzlich, aus dem Nichts die majestätische Spišský Hrad am Horizont erscheint. Die Anlage ist UNESCO Weltkulturerbe und eine der größten Burgen Europas. Sie nimmt eine komplette Hügelkuppe ein und ihr heller Stein ist weithin sichtbar. Mittlerweile ist die Wolkendecke etwas aufgebrochen. Sonnenstrahlen lassen sich blicken. Als wir auf dem Parkplatz ankommen, nutzen wir die wärmenden Strahlen und verteilen die restlichen klammen Kleidungsstücke ums Auto. Mara geht es leider schlechter. Sie möchte im Auto bleiben und legt sich zum Schlafen ins Bett.

Ich lasse sie mit Freaky allein und stapfe von hinten den Burgberg hinauf. Wanderschuhe wären auf jeden Fall besser gewesen – die Wiese ist vom vielen Regen matschig und glatt. Am Tor angekommen erfahre ich, dass die obere Burg wegen Renovierung geschlossen ist und ich nur den Hof und die mittlere Burg besichtigen kann. Als Ersatz darf ich mit meiner Eintrittskarte aber noch zwei weitere Attraktionen in der Nähe besuchen – die eine ist ein Kloster in Levoča (wo wir gerade herkommen), die zweite ein Herrenhaus mit Park gleich um die Ecke.

Die Burganlage von Spišský Hrad hat gigantische Ausmaße

Die Burg hat gewaltige Ausmaße! Zum Glück sind nicht viele Besucher da und ich kann mir in Ruhe alles anschauen. Ich klettere auf die mächtigen Mauern, lasse den Blick in die Ferne schweifen und schaue einem Erdhörnchen zu, das vor dem Eingang seines Baus vor sich hin knabbert. Im mittleren Teil der Burg erfahre ich viel über ihre Geschichte und die archäologischen (Be-)Funde. 

Eingang zur oberen Burg
Blick über den Burghof von Spišský Hrad
Teil der mittleren Burg

Zurück am Auto wecke ich Mara. Ihr geht es immer noch nicht besser. Sie sieht ziemlich krank aus. Wir entscheiden, dass wir uns noch die Spišská Kapitula (Slowakisch) bzw. Zipser Kapitel (Deutsch) anschauen. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Kirchenstadt, etwa zwei Kilometer von der Burg entfernt. Besonders beeindruckend sind die Kathedrale und der neu renovierte bischöfliche Garten – und natürlich der sagenhafte Blick auf die Burg. Mara und Freaky bleiben im Auto. Ich mache schnell einen Abstecher, um ein paar Fotos zu erhaschen. Keine 10 Minuten später bin ich zurück am Auto. 

Kathedrale der Spišská Kapitula mit Mauer
Neu angelegter bischöflicher Garten mit Glockenturm

Da das Herrenhaus Hodkovce auch gleich um die Ecke ist, wir heute wahrscheinlich bereits den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht haben und nicht mehr in diese Gegend kommen werden, nehmen wir diesen kleinen Abstecher ebenfalls noch mit. An Ort und Stelle gibt es neben dem Haus, einem tollen Garten und einigen Ruinen nicht viel zu sehen – überraschenderweise wird das Gelände von einem Sozialprojekt genutzt. Überall laufen mir Patienten über den Weg und durch die Fenster kann ich Krankenhausbetten erkennen.

Herrenhaus von Hodkovce mit Park
Ruinen und Kirchlein in Hodkovsky Park

Als ich wieder im Auto bin beschließen wir die Nacht an dem Bergsee zu verbringen, den wir bei unserer Anreise vor zwei Tagen verpasst haben. Er liegt im Süden des Nationalparks Slowakisches Paradies. Mara geht es so schlecht, dass sie nicht fahren kann. Die Route führt uns über zwei Passstraßen, durch enge Kurven und viel Wald – Mara schlägt sich wacker. Hinter uns sehen wir bereits das heutige Gewitter aufziehen. Wir erreichen den Stellplatz keine Minute zu früh: Kaum haben wir geparkt, beginnt der Regen aufs Auto zu prasseln. 

Stellplatz direkt am See – Die Gewitterfront naht…

Drei Katzen nutzen eine kurze Regenpause und besuchen uns. Freaky nimmt keine Notiz. Die Regenpause dauert nur kurz, bevor Gewitterfront Nummer zwei über uns hinwegzieht. Blitze erhellen den See. Donner scheppert und hallt zwischen den Felsen wider. Wie schön so ein Unwetter doch ist, wenn man im trockenen Wohnmobil sitzt.  

In der Regenpause kommen die Katzen – Lektion heute: Krallen schärfen

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