DIY und Umbau,  Weltreise

Overlanding mit dem Fiat Ducato – Geht so etwas?

Bei unserer DISCOVERY handelt es sich um einen KNAUS BoxStar 600 Solution 4 auf Basis eines Fiat Ducato 130 Multijet 2.3. Ein Reisemobil von der Stange also, das nicht für Overlanding, Weltreisen oder widrige Umweltbedingungen konzipiert ist. Die Stärken liegen eher auf geteerten Straßen, leichten Steigungen und Übernachtungen auf Campingplätzen. Bei unseren bisherigen Touren haben wir dem Fahrzeug schon einiges zugemutet und die Limitierungen hautnah kennengelernt.

Fiat Ducato auf nasser Wiese steckengeblieben
Unsere DISCOVERY ist auf nasser Wiese steckengeblieben

Für uns hat sich deshalb die Frage gestellt: Was tun? Welches Fahrzeug übersteht die geplante Weltreise nach Japan?

Limitierungen unserer DISCOVERY

Für längere Overlanding Touren mit dem Fiat Ducato abseits befestigter Straßen kommt es unserer Erfahrung nach vor allem darauf an, möglichst lange, möglichst autark sein zu können. Das heißt für uns …

  • mit möglichst wenig Frischwasser auskommen
  • auch ohne Gas heizen können
  • eine Lösung für die Toilette haben, die ohne Chemie und Wasser auskommt
  • genug Strom für das Aufladen unserer Geräte haben
  • genug Wärme, auch in sehr kalten Winternächten
  • den knappen Stauraum möglichst optimal nutzen
  • erholsamer Schlaf

Für die Situationen, in denen wir bisher Probleme hatten, waren vor allem zwei Einschränkungen des Ducato verantwortlich: Fehlende Bodenfreiheit und damit die Gefahr des Aufsetzens sowie die Bereifung bzw. der fehlende Allradantrieb.

Was wir also glaubten zu suchen war ein geländegängiges Fahrzeug, mit dem wir lange autark sein können und das uns auch in kalten Winternächten nicht im Stich lässt.

Neukauf oder Umbau?

Nach viel Recherche, YouTube Videos schauen und Lesen in verschiedenen Blogs und Foren hatten wir zunächst die Idee, ein neues, speziell für unseren Zweck gebautes Fahrzeug zu kaufen – wenn denn der große Tag käme. Schon recht bald hatten wir uns auf drei Fahrzeuge eingeschossen:

Fahrzeug Vorteile Nachteile
Ford Nugget mit Allradumbau
  • Fahrzeug ist relativ wendig und nah am normalen PKW
  • sehr gute Serienausstattung mit vielen Sicherheitsfunktionen
  • tolles Bett
  • Allradumbau ist sehr teuer (lt. Auskunft der Edmund Sorg GmbH, ca. 26.000 Euro)
  • sehr wenig Platz im Fahrzeug
  • kein richtiger Kühlschrank und kein Bad
Duo Independent von CS-Reisemobile auf Basis des Mercedes Sprinter
  • Fahrzeug ist von Haus geländegängig
  • sehr gute Serienausstattung
  • Sonderausstattung für autarkes Stehen kann ab Werk mitbestellt werden (Solar, Aufbaubatterien, Dieselheizung)
  • extrem wertiger Innenausbau
  • sehr teuer, vor allem mit der Sonderausstattung, die wir gerne hätten
  • lange Lieferzeiten
Avanti von La Strada Fahrzeugbau auf Basis des Fiat Ducato
  • Sonderausstattung für autarkes Stehen kann ab Werk mitbestellt werden (Solar, Aufbaubatterien, Dieselheizung)
  • wertiger Innenausbau
  • viele pfiffige Ideen, z.B. für Stauraum
  • sehr teuer, vor allem mit der Sonderausstattung, die wir gerne hätten
  • nicht wirklich geländegängig

Unser Zwischenfazit: Neue Fahrzeuge sind in der Regel sehr sehr teuer (vor allem in Zeiten von Corona!), nicht wirklich geländegängig, haben lange Lieferzeiten und entsprechen vor allem nicht 100% unseren Wünschen. Wenn wir schon so viel Geld ausgeben, sollte es wirklich keine Kompromisse geben.

Was also tun? Ein Blick auf den Parkplatz genügte! Da stand bereits unsere DISCOVERY, mit der wir bis auf ein paar nervige Kleinigkeiten eigentlich vollends zufrieden sind. Mit Baujahr 2017 und gerade mal 55.000 km auf dem Tacho ist das Fahrzeug quasi ein Teenager (Fiat Ducato Motoren halten gerüchteweise über 250.00 km!).

Wieso also nicht einfach das Fahrzeug nehmen, das wir bereits besitzen und so umbauen, dass es unseren Bedürfnissen entspricht? Nachdem wir unsere Idee im Wohnmobilforum (Link zum Thread im Forum – vielen vielen Dank, für die Inspiration und guten Ideen!) und im Freundeskreis geteilt hatten, war die positive Resonanz überwältigend!

Für das, was wir planen, benötigen wir keinen Jeep oder Allrad-Boliden. Ein normaler Fiat Ductao reicht offensichtlich, wenn er entsprechend vorbereitet ist.

Der Plan

Also zurück ans Reißbrett bzw. zurück zur Wunschliste für unseren Reisebegleiter. Ein Abgleich unserer Anforderungen, den Möglichkeiten des modernen Fahrzeugbaus und unserem Geldbeutel, führte zu einer neuen Wunschliste ohne Kompromisse. Diese versuchen wir jetzt Stück für Stück abzuarbeiten (bzw. abarbeiten zu lassen – es ist gar nicht so einfach jemanden zu finden, der alle geplanten Umbauten vornehmen kann) bis wir demnächst unsere DSICOVERY 2.0 vor dem Haus stehen haben:

 

Anforderung Was? Wie?
Mehr Bodenfreiheit
  • vor Beginn der Reise, elektrische Stufe abbauen
  • Fahrzeug (konservativ) höher legen, z.B. durch Spacer
Schutz gegen Aufsetzen
  • Tank, Ölwanne, Wassertanks mit Unterfahrschutz / Unterbodenschutz versehen
  • Ersatzteile im Internet bestellen
  • Selbst einbauen
Toilette ohne Chemie und Wasserverbrauch
  • Tausch der verbauten Dometic Toilette gegen eine Trockentrenntoilette
  • Modell von BioToi
  • Modell von Trelino
  • im KNAUS BoxStar 600 Solution 4 sehr fummelig, u.a. wegen Plastikverkleidung im Bad
  • durch professionellen Wohnmobil-Ausbauer, z.B. MiKa Caravan
Heizen ohne Gas
  • Tausch der verbauten Truma Combi 4 gegen eine Truma Combi 6 Diesel
  • durch professionellen Wohnmobil-Ausbauer, z.B. MiKa Caravan
Platz in der Heckgarage ideal nutzen, ohne ständiges Ein- und Ausräumen
  • Einbau eines stabilen Auszugsystems
Strom für unsere Geräte
  • Tausch der verbauten Aufbaubatterie gegen eine 200 Ah Li-Ion Aufbaubatterie
  • Einbau eines Ladeboosters
  • Einbau von Solarzellen und Wechselrichter
  • durch professionellen Wohnmobil-Ausbauer, z.B. MiKa Caravan
Stabiles Internet
  • Kauf eines mobilen WLAN Routers für 4G/5G
  • zusätzliche Mimo Antenne zur Verstärkung
  • Router kann selbst eingebaut werden
  • Antenne wird bei Bedarf aufgestellt
Besserer Halt auf rutschigem Boden
  • neue Reifen vom Reifenhändler aufziehen lassen
Erholsamer Schlaf
  • Froli-Tellerfedersystem für Wohnmobile auf dem vorhandenen Lattenrost, zur Unterfütterung der Matratzen
  • Matratzenschoner
  • selber einbauen
Mehr Platz und Licht
  • Hubbett ausbauen
  • selber ausbauen

Bei unserer Anbietersuche und Recherche haben wir festgestellt, dass es zumindest in unserer Ecke Deutschlands, extrem schwer ist jemanden zu finden, der mehr als nur ein Thema bedienen kann. Einige interessante Anbieter haben wir schlussendlich über Videos auf YouTube gefunden und einfach angeschrieben. Schwierig ist aktuell auch die Versorgung mit Teilen. So ist z.B. die Truma Combi 6 Diesel aktuell nicht lieferbar (Stand: Juli 2021).

Da die Umbauten nur in der richtigen Reihenfolge sinnvoll sind, heißt es Geduld haben. Bei MiKa Caravan stehen wir jetzt auf der Warteliste für Heizung, Toilette und Strom. Wenn das erledigt ist, kann das Auszugsystem ins Heck und erst danach machen neue Räder Sinn.

Und ein Fiat Ducato reicht wirklich für so eine Overlanding Tour?

Wenn man sich eine Sache erst einmal in den Kopf gesetzt hat, eröffnen sich plötzlich überall Möglichkeiten. Gleichgesinnte laufen einem wie zufällig über den Weg. Wir haben in den letzten Wochen gelernt, dass wir nicht die ersten mit so verrückten Reisezielen und Touren sind. Wohl auch nicht die ersten, die solche Strecken mit einem Wohnmobil von der Stange fahren möchten. Schöne Beispiele dafür, wie es gehen kann, sind Tina und Dirk von Let’s get otter here oder auch Jessi und Jens von Baikalsprinter.

Machbar ist die Tour für unsere DISCOVERY also auf jeden Fall!

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